Hochkarätiger Besuch am Mallinckrodt-Gymnasium: Im Rahmen seines Auftritts am Abend des 17. September 2025 auf Einladung der Auslandsgesellschaft (für mehr Informationen hier entlang ») in Kooperation mit der Stadt Dortmund war Rüdiger von Fritsch, u.a. ehemaliger Botschafter in Moskau von 2014 bis 2019, zu Gast im Forum der Schule. Er stellte sich in der 5. und 6. Stunde bei einer von der SV organisierten Expertenbefragung für die Jahrgangsstufe 10 und die Oberstufe (EF und Q1) den Fragen der Schülerschaft. Für die Anwesenden war es eine einmalige Gelegenheit, aus erster Hand Schilderungen von der Bühne der internationalen Politik zu bekommen.

Im Mittelpunkt der Expertenbefragung, durchgeführt von Schülersprecher Benedikt Kroker und SV-Mitglied Friederike Schröder (beide Q1), standen aktuelle Fragen der internationalen Politik. Von Fritsch schilderte seine Erfahrungen aus seiner diplomatischen Tätigkeit in Russland und ging im „Fragenhagel“ insbesondere auf den Russland-Ukraine-Konflikt ein.
„Diplomatie hat da ihre Grenze, wo sie an ihre Grenze geführt wird“
Grundsätzlich, so von Fritsch, sei Diplomatie „immer möglich“, auch trotz eines Völkerrechtsbruches, solange der Gegenüber bereit sei, sich im Rahmen diplomatischer Richtlinien zu bewegen. Die Grenze diplomatischer Möglichkeiten sei jedoch am 24. Februar 2022 erreicht worden, als mit dem russischen Angriff auf die Ukraine jeder Versuch der Vermittlung scheiterte.

Der ehemalige Botschafter habe Russlands Präsidenten Putin häufig getroffen, obwohl Staatsoberhäupter selten Zeit für Treffen mit Botschaftern hätten, und sei in der Regel ein Teil aller Gespräche mit deutschen Staatsgästen gewesen. Dabei war es ihm möglich, sich ein eigenes Bild vom russischen Präsidenten zu machen, dem es nicht gelungen sei, „Russland zu der Bedeutung und Größe zu führen, die er [Putin; Anm. d. Red.] für angemessen“ halte.
Während seiner Tätigkeit in Russland habe von Fritsch lernen müssen, mit Formen von Widerstand, Misstrauen und Druck von russischer Seite umzugehen: Er musste unter anderem fürchten, 24 Stunden am Tag abgehört zu werden.
Propaganda und hybride Kriegsführung
Im Rahmen der Diskussion über den Ukraine-Konflikt stellte von Fritsch „Waffen, Rohstoffe und Angst“ als russische Exportgüter heraus. Die „bizarre Logik“ der Nukleartechnik, die existiere, um sie nicht einzusetzen, spiele zwar auch eine gewichtige Rolle in schwelenden Konflikten, aber die Beeinflussung und Beeinträchtigung politischer Gegner mit und durch Angst sei der Kern der modernen, hybriden Kriegsführung. Propaganda spiele auch und gerade im 21. Jahrhundert eine zentrale Rolle in Kriegen, Konflikten und den entsprechenden Berichterstattungen.
Fragen nach einem Ende der Waffenlieferungen und einer Wiedereinführung der Wehrpflicht, fasste von Fritsch mit dem Fazit „Alles ist nichts ohne Sicherheit!“ zusammen und warf Philosophen und Gästen in Talkshows deutlich „Pseudomoralismus“ vor.


Im Anschluss wurde es persönlich: Rüdiger von Fritsch berichtete über die eigene Familiengeschichte. Er verhalf mit seinem Bruder dem gemeinsamen Cousin zur Flucht aus der DDR und berichtete von gescheiterten Versuchen und Rückschlägen, die aber schließlich in einer erfolgreichen Flucht endeten.
Durch die abschließende Fragerunde aus dem Publikum ergab sich ein intensiver Austausch zwischen dem ehemaligen Botschafter sowie Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes und der Schülerschaft. Der Blick hinter die Kulissen der Diplomatie war von besonders hohem Interesse für die Schülerinnen und Schüler.

Wir danken Herrn von Fritsch sehr herzlich für seine Bereitschaft, an der Expertenbefragung teilzunehmen und sich den Fragen des Moderationsteams sowie der Schülerinnen und Schüler zu stellen, und für die spannenden Einblicke in die Rolle von Botschaftern in internationaler Politik!





