Am 26. April 2026 jährte sich der Jahrestag des Reaktorunfalls von Tschernobyl zum 40. Mal. Eine Katastrophe, deren Auswirkungen sehr zeitnah auch in Deutschland zu spüren waren. Wer diese Zeit aktiv miterlebt hat, erinnert sich noch sehr eindrücklich an die Berichte über eine radioaktive Wolke, Warnungen vor Niederschlägen oder eben einfach die Angst vor den möglichen Folgen einer radioaktiven Strahlenbelastung. Für Anatolii Gubariev stellt der Tschernobylunfall eine lebensverändernde Zäsur dar. Er ist einer der sogenannten Liquidatoren, gehört also zu den Menschen, die in Tschernobyl eingesetzt wurden, um die Folgen der Katastrophe einzudämmen und zu beseitigen. Heute erzählt er als Zeitzeuge seine Geschichte, um die Erinnerung an den Reaktorunfall und seine Folgen lebendig zu halten – so auch am 17. April hier bei uns am Mallinckrodt-Gymnasium.

Sehr detailreich erzählte Herr Gubariev, wie er im Alter von 26 Jahren plötzlich einberufen und Teil einer Feuerwehreinheit wurde. Er berichtete über seine Einsätze in der Sperrzone, von denen ihn einer sogar in den zerstörten Block 4 des Kernkraftwerks führte. Bei diesem Einsatz war er einer enormen Strahlendosis ausgesetzt, die einem Vielfachen der heute gesetzlichen Höchstwerte für Katastrophenfälle entspricht. Herr Gubariev schilderte eindrücklich die unmenschlichen Strapazen, die seine Kameraden und er dabei aushalten mussten. Vielen Anwesenden waren diese Arbeitseinsätze zwar aus dem Fachunterricht bekannt, aber durch die persönliche Erzählung von Herrn Gubariev erhielten diese unvorstellbaren Bedingungen plötzlich eine sehr konkrete Dimension.


Insgesamt war Herr Gubariev über 30 Tage in und um Tschernobyl im Einsatz. Dass seine Botschaft auch bei den anwesenden Lernenden ankam, zeigte eine Vielzahl von Fragen, die im Anschluss an den Erlebnisbericht noch gestellt wurden. Herr Gubariev nahm sich für alle Fragen Zeit und berichtete so etwa noch über die Strahlenfolgen für ihn persönlich, den repressiven Umgang von staatlicher Seite mit ihm im Anschluss an den Einsatz oder auch seine Haltung zur Atomkraft in der gegenwärtigen Energiedebatte. Auch über die Folgen für die etwa 800.000 eingesetzten Liquidatoren konnte er durch seine Tätigkeit in einer von ihm mitbegründeten Vereinigung zur Unterstützung von Liquidatoren Auskunft geben. Genaue Zahlen gibt es nicht, eine systematische Erfassung der Folgen dieser Einsätze ebenfalls nicht. Von den knapp 350 Männern aus seiner Einheit, so Herr Gubariev, leben heute noch 50. Zahlen, die erschrecken und deutlich machen, warum die Erinnerung an Tschernobyl auch heute noch notwendig ist. Für die 10. Klassen und die Physikkurse der Q1 war es eine ganz besondere und bewegende Begegnung, die sicherlich noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.







